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Internationale Briefmarkenausstellung
Deutschland - Brasilien 2024

 
27.-30. Juni 2024 in der Ohrelandhalle, Magdeburger Str. 57, 39340 Haldensleben
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200 Jahre deutsche Einwanderung in Brasilien
  (Auszug aus dem Artikel des Ausstellungskataloges)
 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trat eine rasche Lockerung der kolonialen Zwangsgemeinschaft Portugals in Brasilien ein. Auf der Flucht vor den napoleonischen Truppen sah sich Dom João VI im Jahre 1808 gezwungen, seinen Hof von Lissabon nach Rio de Janeiro zu verlegen. Unmittelbar nach der Ankunft öffnete er mit königlichem Dekret vom 28.1.1808 die für den Weltverkehr bisher nicht zugänglichen brasilianischen Häfen für Schiffe befreundeter Nationen.

Brasilien erwachte aus jahrhundertelanger Abgeschlossenheit.

Auch in der Bevölkerungspolitik begann eine neue Phase, indem man den Zustrom von Einwanderern aus dem schwach besiedelten Mutterland durch Siedler anderer europäischer Nationen zu verstärken suchte. Dafür sprach vor allem auch die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung Brasiliens, welche Anfang des 19. Jahrhunderts auf etwa 3,6 Millionen Menschen geschätzt wurde, worunter sich lediglich etwa 840.000 Weiße befanden.

Am 25.11.1808 bekundete Dom João VI seinen Willen, Einwanderer in Brasilien aufzunehmen, indem er den bereits hier lebenden Ausländern Konzessionen für Landbelehnungen zusagte. Gleichzeitig versprach man sich, durch selbstständige Bauern, die auf eigenem Land Acker- und Viehwirtschaft betrieben, die Landwirtschaft zu beleben.

Ein weiteres Motiv der brasilianischen Siedlungspolitik war sicherlich auch, die Indianer zurückzudrängen und den Urwald allmählich zu erschließen und zwar durch Siedler, die schwere Rodungs- und landwirtschaftliche Arbeiten gewohnt waren.

Für die Anwerbung deutscher Kolonisten mag auch die Hochzeit der österreichischen Erzherzogin Leopoldina mit Dom Pedro, dem Kronprinzen des Hauses Braganza im Jahre 1817, Bedeutung gehabt haben.

Dem brasilianischen Kolonisationsvorhaben kam zugute, dass zahlreiche Beweggründe zeitgleich die Menschen zu Anfang des 19. Jahrhunderts veranlassten, aus Zentraleuropa auszuwandern: der Preisverfall für agrarische Güter, Missernten, z.B. 1816 in Deutschland, der Wunsch nach eigenem Grund und Boden, Landknappheit durch Erbteilung, Abenteuerlust und Widerwillen gegen die Wehrpflicht.

Ein interessantes Bild der internationalen Einwanderungsbewegung nach Brasilien bis 1900 vermittelt nachstehende Tabelle.

 Jahre   Deutsche   Italiener   Portugiesen   Spanier   Andere   Total 
 1824-30   5774               5774 
 1831-34                   
 1835-40   2992   1711   37738   4191   5242   51874 
 1841-45   5763   3982   70956   7126   4754   92581 
 1846-51   6099   2015   106116   9948   4599   128777 
 1852-55   3380   2710   69792   7366   8855   92103 
 1856-80   35644   46934   176104   2736   118917   380335 
 1881-85   9165   51358   41345   10149   5126   117143 
 1886-90   11058   226245   75195   28661   41584   382743 
 1891-95   9216   378143   132228   95242   52628   667457 
 1896-00   2179   237355   23897   62740   73562   399733 
    91270   950453   733371   228159   315267   2318520 

Die Mehrzahl der speziell in Südbrasilien eintreffenden deutschen Siedler bestand aus unbemittelten Landarbeitern, die sich überwiegend auf die fünf brasilianischen Südstaaten verteilten, wobei die stärkste Gruppe auf Rio Grande do Sul, die zweitstärkste auf Santa Catarina entfällt. An dritter Stelle dürfte Paraná, an vierter São Paulo und an fünfter Espírito Santo stehen.

Die erste gelungene Kolonisation mit Deutschen fand 1824 mit der Gründung der „Deutsche Kolonie São Leopoldo“ statt. Das Bild zeigt die Ankunft der ersten Deutschen am 25.7.1824 auf dem Rio dos Sinos (Gemälde von E. Zeuner 1895-1967).


Das Haupteinwanderungsjahr der Deutschen war 1891 mit 5.285 Personen, das Jahr mit der geringsten deutschen Immigration war 1900 mit 88 Personen.

Die Einwanderung aus Deutschland hinterließ in Brasilien unauslöschliche Spuren, die wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Natur waren. Darüber hinaus beschleunigte sie die die demographische Entwicklung und beeinflusste den gesellschaftlichen Wachstumsprozess und die Bildung und Entwicklung Brasiliens.

Von unschätzbarem Wert war ferner die Tatsache, dass die freie Arbeit des deutschen Siedlers sich als produktiver und ertragreicher erwiesen hatte als die des Sklaven.


         
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